Die Geschichte der Warenautomaten
Warenautomaten gehören seit mehr als einem Jahrhundert zum Straßenbild. Sie verkauften Schokolade, Kaugummi, Zigaretten, Briefmarken, Getränke und viele andere Produkte rund um die Uhr – ganz ohne Verkaufspersonal.
Die Geschichte der Warenautomaten beginnt bereits im 19. Jahrhundert. Mit der Industrialisierung entstanden die ersten mechanischen Verkaufsautomaten, die nach Einwurf einer Münze eine Ware ausgaben. Diese Entwicklung verbreitete sich zunächst in England und den USA, bevor auch in Deutschland die ersten Automaten aufgestellt wurden.
Schokoladenautomat
um 1888
Einer der bedeutendsten Pioniere war die Firma Stollwerck in Köln. Sie entwickelte bereits Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Warenautomaten für Schokolade und Süßwaren. Die Automaten standen auf Bahnhöfen, in Gaststätten und an öffentlichen Plätzen und trugen wesentlich zur Verbreitung des Automatenverkaufs in Deutschland bei.
Bald folgten weitere Hersteller, die ihre Automaten ständig verbesserten. Neue Mechaniken sorgten für eine zuverlässigere Warenausgabe, während gleichzeitig immer neue Produkte über Automaten verkauft wurden.
Hersteller: UTA Elektroakustik Stuttgart
Baujahr: um 1958
Besonders beliebt waren die figürlichen Selbstverkäufer. Sie verbanden Unterhaltung und Warenverkauf auf außergewöhnliche Weise. Ein bekanntes Beispiel war die Bim Bo Box. Nach Einwurf eines 10-Pfennig-Stücks begannen die Puppen zu tanzen, während gleichzeitig Musik abgespielt wurde. Diese Automaten waren nicht nur Verkaufsgeräte, sondern zugleich kleine Attraktionen, die viele Menschen anzogen.
Betreiber: Stollwerck AG Köln
um 1900
Mit der steigenden Zahl der Verkaufsautomaten entstanden Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Automatenrestaurants. Stollwerck betrieb bereits in zahlreichen Städten ganze Automatenhallen, in denen Speisen und Getränke vollständig über Automaten verkauft wurden. Von frisch gezapftem Bier bis zu warmen Mahlzeiten konnte der Besucher eine erstaunliche Auswahl erhalten. Bis zum Ersten Weltkrieg existierten rund 50 Automatenrestaurants in Deutschland.
Der Erste Weltkrieg, die Inflation und später der Zweite Weltkrieg beendeten diese erfolgreiche Entwicklung. Viele Automaten verschwanden, zahlreiche Hersteller mussten ihre Produktion einstellen.
Verschiedene Hersteller
um 1935
Mit Beginn der 1930er Jahre setzten sich Schubladenautomaten durch. Der Kunde konnte die Ware vor dem Kauf betrachten und anschließend gezielt auswählen. 1934 erschienen zusätzlich die ersten Fächerautomaten, deren Fassungsvermögen ständig erweitert wurde. Besonders erfolgreich waren die Zigarettenautomaten, die bald zum vertrauten Bild an vielen öffentlichen Orten gehörten. Auch Briefmarken-, Fahrkarten- und Eisautomaten wurden in dieser Zeit immer häufiger eingesetzt.
1940 wurde die Herstellung neuer Warenautomaten für den Inlandsmarkt eingestellt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Getränke-, Flaschen- und Verpflegungsautomaten eine neue Entwicklungsphase.
Über 100 verschiedene Warenangebote
um 1960
Mit der Aufhebung der sogenannten Residenzpflicht am 21. Juni 1962 konnten Warenautomaten auch unabhängig von einem Ladengeschäft aufgestellt werden. Dadurch entstanden die bekannten Automatenstraßen, Automatenkioske und Verkaufsanlagen. Hinter großen Schaufenstern präsentierten zahlreiche Automaten ein umfangreiches Warenangebot, das rund um die Uhr verfügbar war. Auch an Autobahnraststätten, Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen wurden immer mehr Automaten aufgestellt.
Getränke- und Kaugummiautomaten
seit 1999
Heute gehören Warenautomaten selbstverständlich zum Alltag. Sie verkaufen Getränke, Süßwaren, Kaugummi, Zeitungen, Fahrkarten oder viele andere Produkte rund um die Uhr. Elektronische Bezahlsysteme, Kartenzahlung und moderne Steuerungstechnik haben die klassischen Münzautomaten weitgehend ersetzt. Dennoch besitzen die historischen Warenautomaten bis heute einen besonderen Reiz und erinnern an die Anfänge des automatischen Verkaufs.
Fazit
Von den ersten Zigarrenautomaten des 19. Jahrhunderts über die berühmten Stollwerck-Automaten bis zu den heutigen Verkaufsautomaten spiegelt ihre Geschichte die technische Entwicklung und den Wandel des Alltags über mehr als 140 Jahre wider.